Und dann gab es noch eine kugelrunde, weiche, warme Oma, die mir Märchen erzählte und mich in eine mystische Welt mitnahm.
Sobald ich selbst lesen konnte, war nichts, was sich zwischen Buchdeckeln befand, vor mir sicher und ich verschlang, neben meinem eigenen umfangreichen Bücherbestand, fast alles, was die Stadtbücherei Würzburg an altersgemäßer Literatur zu bieten hatte. Ich liebte die Figuren von Astrid Lindgren, vor allem Pippi Langstrumpf und Karlson vom Dach, die so herrlich unverschämt waren, aber auch Mary Poppins, das kleine Pünkelchen von Dick Laan und viele andere.
Als ich etwas älter war, vielleicht zehn, zwölf Jahre, begann ich, mich durch den Bücherschrank meiner Eltern zu lesen, und der war gut bestückt. Dabei graute mir vor nichts. Ich las damals tatsächlich die Buddenbrocks – und zwar Seite für Seite!
Und wie kamen Sie zum Schreiben?
Vorher möchte ich gefragt werden, woher ich die Ideen nehme.
Man sagt, ich sei ein fantasiebegabtes Kind gewesen und das bin ich immer noch – auch Kind – das muss sein, wenn man für Kinder schreibt. Ich nenne es die
Kinderseele – die auch in meiner Brust wohnt – ach!
Tatsächlich lebte ich während meiner Kindheit in einer animierten Welt, in der banale Gegenstände täglicher Verrichtungen, wie Zahnbürste, Gabel oder Kamm ein reges Innenleben führten und wahre Dramen miteinander durchlebten. Vielleicht inspirierten mich dazu auch die Märchen von Hans Christian Anderson, die ich immer noch heiß liebe. Vor dem Einschlafen dachte ich mir selbst Gute-Nacht-Geschichten aus. – Das mache ich manchmal heute noch, denn in diesem sog. Alpha-Zustand habe ich oft die besten Einfälle. Die Idee zu meinem ersten Kinderroman habe ich unglaublicherweise sogar geträumt. Deshalb liegen auch Block und Bleistift neben meinem Bett sowie ein Diktaphon. Schriftsteller haben ja immer Angst, dass ihre ‚wertvollen’ Gedanken verloren gehen könnten.
Buch- oder Figurenideen kommen mir aber auch tagsüber in den unterschiedlichsten Situationen, inspiriert durch eine Begegnung, einen Gegenstand, ein Wort, …
Aber jetzt erzählen Sie doch! Wie kamen Sie denn nun zum Schreiben?
Geschrieben habe ich von klein auf! – Das ist doch die richtige Antwort? Oder?