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Wollten Sie immer schon Schriftstellerin werden?

Mein erster Berufswunsch – da war ich drei – war Straßenbahnschaffnerin. Erstens, weil ich für mein Leben gern Tram fuhr, zweitens, weil mir die schnieke Uniform imponierte und drittens: Ich war überzeugt, dass die Schaffnerin das viele schöne Geld mit nach Hause nehmen durfte. Als ich dann in etwas reiferem Alter dahinter kam, dass sie die Klimperware komplett abgeben musste, verlor dieser Beruf schlagartig seine Anziehungskraft. Zum Glück, angesichts der – damals noch gar nicht absehbaren – Rationalisierungsmaßnahmen der Stadtwerke.

Also disponierte ich um und entschied mich bereits in zartem Jugendalter, in die Fußstapfen meiner Vorfahren zu treten, und das hieß, mich der Pädagogik zu widmen.
Bei uns in der Familie gehen die Lehrer mütterlicherseits bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück. Meine Eltern waren beide Lehrer und meine Mutter nahm mich oft in ihre Schulklasse mit, wenn mein Kindermädchen freihatte.
Diesem Berufswunsch blieb ich auch tatsächlich treu und studierte in München für das Lehramt an Grundschulen. Anschließend ergänzte ich dieses Studium noch mit Geschichte und Germanistik. Allerdings übte ich den Lehrerberuf erst

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Jahre später aus, da mir ein Mann, ein Haus und meine beiden Söhne dazwischenkamen.

Damit ist die eingangs gestellte Frage eigentlich beantwortet. Nein, ich wollte nicht schon immer Schriftstellerin werden, obwohl ich nach dem Abi kurz in Erwägung zog, mich dem Journalismus zu verschreiben (das Wortspiel ist ganz unbeabsichtigt :-), doch gab es damals keinen expliziten Studiengang in München, sondern "nur" eine Journalistenschule und ich wollte partout an eine Uni und auch in München bleiben.

Wie kamen Sie zum Schreiben?

Fragen Sie mich bitte zuerst, wie ich zum Lesen kam?

Das habe ich meinen pädagogisch ambitionierten Bezugspersonen zu verdanken, die mich schon früh an Literatur heranführten. Mit vier vermochte ich etliche Kindergedichte aus des Knaben Wunderhorn auswendig aufzusagen – das Verdienst meines Großvaters, eines Oberschulrats alten Schlages. Selbstverständlich konnte ich aus dem Struwwelpeter – und emanzipationshalber auch aus der Struwwelliese – rezitieren (kann ich übrigens heute noch!). Aber auch der glückliche Löwe und Barbar begleiteten mich damals.

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